Dienstag, 27. Januar 2015

Die anderen wissen es besser. Immer.

Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, dass man als Schwangere zu einer Art Freiwild mutiert, der man ungefragt sämtliche gutgemeinte Tipps aufs Auge drücken darf. Nun ist es ja nicht so, dass ich prinzipiell etwas gegen gute Ratschläge habe- im Gegenteil, für alles Hilfreiche bin ich sehr dankbar. Nur sind diese Hinweise meist weder sinnvoll, noch kann ich einen Nutzen daraus ziehen- mir drängt sich viel eher der Gedanke auf (*böse Manati*), dass es hier lediglich ums BESSERWISSEN geht.


Oftmals ist es schon die Art und Weise, wie das ganze formuliert wird.
Nicht etwa als freundlicher Hinweis à la "Du könntest.../ Hast du schon an...gedacht?/Wusstest du schon, dass...?/..." oder als persönliche Erfahrung "Mir hat damals ... geholfen/Ich habe das soundso gemacht/...".
Nein, hier heißt es immer "Du musst..." oder "Du darfst nicht...".
Da ich auf diese beiden Sätze von Haus aus allergisch reagiere, frage ich immer ganz scheinheilig nach: "Warum darf ich xyz nicht/ Muss ich abc machen?".
Die prompte Antwort: "Weil du schwanger bist!". Ahhh ja, danke, jetzt wo du es sagst, hätte ich fast noch nicht gemerkt...
Also erneutes Nachhaken. "Stimmt. Und wo ist jetzt die Begründung?"- "Ähm, das ist so/war schon immer so/ hat man schon immer so gemacht/das weiß doch jeder/das habe ich damals auch (nicht) gemacht/...".
Klar, angesichts dieser Argumentationsfülle ist es natürlich logisch, dass ich das dann auch unbedingt tun muss oder keinesfalls tun darf.


In der Regel ist es nämlich tatsächlich so, dass ich mich über gewisse Dinge, die ich trotz verpönten Ruf auch in der Schwangerschaft mache, vorher informiert habe. So sehe ich persönlich keine Gefahr darin, wenn ich täglich 1-2 kleine Tassen Kaffee trinke (es sind keine 5 Liter!), mir die Haare strähnen lasse (mit Alufolie. Dabei kommt nichts auf die Kopfhaut und wird folglich auch nicht resorbiert. Und mein Friseur lüftet auch.) oder zum Kochen einen Schuß Wein her nehme, den ich abdampfen lasse (ein Glas Apfelsaft hat durch die natürliche Gärung mehr Alkoholgehalt als ein Schluck verkochter Wein).
Dies ist wie gesagt meine ganz persönliche Entscheidung, die ich aus -für mich- guten Gründen so treffe. Deshalb muss es für jemanden anderen nicht auch zwangsläufig richtig sein- wenn ich mich jetzt bspw. beim Haarefärben unwohl fühlen würde, würde ich es auch lassen!
Selbiges gilt dann aber selbstverständlich im Umkehrschluß auch.


Fast genauso schlimm ist es, dass man es ohnehin niemanden recht machen kann- nicht, dass ich das versuchen würde. Trotzdem ist es schon ein bißchen auffällig, wie man von allen Seiten beschielt wird. Würde ich mir beispielsweise die Haare nicht mehr strähnen, wäre ich vermutlich zur verlotterten Ökutussi mutiert. Da ich aber noch Farbe dran kommen lasse, bin ich die Rabenmutter in spe, die ihrem Baby jetzt schon schadet. Hebe ich einmal etwas Schwereres hoch, gefährde ich mein Ungeborenes (*unverantwortlich*!!!). Bleibe ich statt dessen sitzen, die große Empörung "du bist schwanger, nicht krank!"


Und ich hege die starke Befürchtung: es wird noch schlimmer!


Allein die Entbindung ist ja schon einmal ein großes Thema. "Wie, PDA? Das ist doch total unnatürlich!"- "Was, du willst nicht im Wasser gebären? Das ist für dein Baby das beste, was du machen kannst! (*Rabenmutter*)."- "Im Liegen entbinden? Das macht man heute aber nicht mehr!"
Ich möchte dazu anmerken, dass ich mich mit der Geburt noch gar nicht näher befasst habe, aber eine PDA als Option sicher nicht ausschließe, ebenso wenig wie eine Entbindung im Liegen (auch wenn das wohl total out ist)- aber das weiß ich doch jetzt noch nicht, mir wird dann hoffentlich in der Wehenphase bewusst, was mir gut tut. Vielleicht gehe ich doch ins Wasser. Oder ich nehme das Gebärseil, notfalls kann ich mich dran erhängen, wenn ich weiterhin so hilfreiche Tipps kriege.

An die Zeit mit Baby und Kleinkind möchte ich hinsichtlich dieser Verhaltensweisen noch gar nicht denken. Da ist ja dann von Haus aus alles falsch.
Stillen? Ja bitte, aber nur exakt 6, höchstens 8 Monate. Wenn länger, bin ich die nichtloslassen könnende Übermutter, wenn kürzer, gefährde ich wieder mein Baby (ich höre die singenden Chöre: *Rabenmutter!*).
Schlafen im Elternschlafzimmer-oder gar im Elternbett? Entweder ich gebe meinem Kind nicht genug Nähe oder ich erdrücke es. So oder so kriegt es zwangsläufig einen psychischen Schaden.
Verwendung eines Tragetuches? selbiges wie beim Schlafort.
Und wenn das Baby dann größer wird, die ersten Erziehungsprinzipien kommen, Grundsatzfragen auftauchen (z.B. Stichwort KiTa), wir möglicherweise Bekanntschaft mit Helikopter-Eltern machen... alles, alles, ALLES wird falsch sein!
Die arme Yetin hat praktisch jetzt schon ein vorbestimmtes Leben, das entweder in der Psychiatrie oder im Gefängnis endet. Beruhigend aber, dass das auf alle anderen Kinder ja ebenso zutrifft und sich seltsamerweise dann doch die allerwenigstens als Erwachsene in diesen Einrichtungen befinden.
(Ich hoffe nur, dass ich das auch noch so entspannt sehen kann, wenn die Kleine dann da ist!)

Ich denke, dass jede Frau, die freiwillig schwanger wird, nur das Beste für ihr Baby möchte und ihm unter keinen Umständen schaden will. Aber dieses Beste besteht nicht nur aus einer einzigen Methode, sondern ist so individuell wie das Kind -und die Eltern- selbst. Und es soll ja tatsächlich so etwas seltsames wie Elternliebe, (Mutter)Instinkte und Bauchgefühle geben, die einem auch ein bißchen den Weg weisen.

Habt ihr ebenfalls ähnliche Erfahrungen gemacht?

Kommentare:

  1. Oh ja, diese Phrasen sind mir alle nicht neu ... du hast Recht, es wird nach der Entbindung erstmal nicht besser. Aber irgendwann dann doch. Zumindest wenn du dich von großen Mütteranhäufungen wie in Krabbelgruppen und Kursen fernhältst :D

    Wichtig ist vor allem, dass du mit deinem Weg zufrieden bist. Du kümmerst und informierst dich, denkst nach und handelst dementsprechend - das allein macht dich schon zu einer wundervollen Mama in spe. Meine Erfahrung ist es aber auch, dass es manchmal nicht so einfach sein wird, auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören bzw. die eigene Bauchstimme vor lauter Ratschlägen überhaupt zu hören. Aber auch das wird nur eine Phase sein ;)

    Ich wünsche dir vor allem eine schöne restliche Schwangerschaft! Lass es dir gut gehen, die dämlichen Worte durch deinen Kopf rauschen und einfach das tun, was du für Wichtig empfindest :)

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  2. Oja du sprichst mir aus der Seele! Das Thema Haarefärben kenne ich auch gut! Ich befürchte ja auch dass das noch schlimmer wird wenn das Baby erst mal da ist... Schön zu wissen, dass es anderen auch so geht!

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  3. Hihi, ist noch nicht lange her, da hab ich mich ganz ähnlich ausgelassen ;) ich denke, das kennt jede Schwangere. Das Problem ist, dass man sich, auch wenn man sich ärgert, trotzdem davon verunsichern lässt und überlegt, ob man vielleicht doch das Wohl des Babys aufs Spiel setzt.
    Zum Glück gibt es auch viele in meinem Umfeld, die das ganze sehr entspannt sehen - meine Mama zum Beispiel. Sie hat in vier Schwangerschaften eben nicht jede Kleinigkeit beachtet, ja sogar jede Art von Käse gegessen und Rohmilch getrunken - und überraschenderweise sind meine Geschwister und ich alle richtig gut und gesund geworden.
    Ich denke, die Entscheidung, was für dich und dein Baby gut ist, hast du allein zu treffen - maximal dein Partner sollte noch ein Mitspracherecht haben!

    Liebe Grüße,
    Hanna

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  4. Danke für Eure Kommentare! Vor dem Eltern-Sein habe ich doch ein bißchen Bammel, jetzt in der Schwangerschaft ist es so, dass ich mich über meine Verhaltensweisen ausreichend gut infromiert habe und mir sicher bin, meinem Baby damit nicht zu schaden. Aber wenn es dann wirklich da ist...es gibt ja zu fast allem zwei -mehr oder weniger- wissenschaftlich fundierte Argumente, einmal Pro Methode xy und einmal Contra. Ich habe bislang wirklich NULL Ahnung von Babys und höre somit zwangsläufig auf die (oftmals konträren) Meinungen meiner Freundinnen und Bekannten. Jede(r) hat irgendwelche plausiblen Begründungen, wieso sie/er etwas (nicht) macht und auch irgendwelche Bücher sind keine große Hilfe- auch hier gibt es je nach Autor absolut gegensätzliche Thesen. Also hoffe ich, dass ich da tatsächlich ein Bauchgefühl oder Mutterinstinkt oder whatever entwickele um zu merken, was für *uns* das richtige ist...
    LG

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