Mittwoch, 21. Januar 2015

{Tagebuch} 22.Woche: Klinikbesichtigung und Doktorspielchen





Diese Woche steht die erste Klinikbesichtigung auf dem Programm. Wir wohnen ziemlich genau zwischen zwei größeren Städten mit insgesamt 3 relevanten Entbindungskliniken- eine davon habe ich dank meines Hyperemesisaufenthaltes komplett ausscheiden lassen.

Heute ist nun ein Einführungstermin für Schwangere, unter dem ich mir allerdings nicht sonderlich viel vorstellen konnte. Herr M. wurde genötigt mitzukommen und so stehen wir also im Krankenhausfoyer, inmitten einer wahren Herde Schwangerer mit Partnern.
Ich bin angesichts dieser riesigen Teilnehmerzahl leicht schockiert- wo kommen die denn alle her? Noch irritierter bin ich, als ich eine Kundin aus der Apotheke entdecke, die erst vor einigen Monaten die Pille geholt hat- sie hat einen deutlich sichtbaren Bauch!


Eine Hebamme begrüßt uns und führt uns dann in den 2. Stock zum Speisesaal- auch dieser Anblick hat vermutlich etwas von einer Elefantenherde, unendlich viele mehr oder weniger hochschwangere Frauen quälen sich schnaufend und trampelnd die Treppen nach oben.

Dort erwartet uns erstmal ein kurzer Vortrag von dem launigen Chefarzt der Frauenklinik, der zwar wirklich lustig ist- aber irgendwie komplett ohne Info. Immerhin erfahren wir, dass Männer, die bei der Geburt umkippen, keinerlei Priorität haben (O-Ton:"da steigen wir dann drüber") und immer zuerst Mutter und Kind versorgt werden. Ich schiele zu Herrn M. - sein Lachen wirkt etwas gequält.

Bei der anschließenden Fragerunde interessiert mich, wieviele Hebammen dienstbereit sind -schließlich will ich mir nicht eine Hebamme mit 3 Parallelgeburten teilen!- und ob es auch Familienzimmer gibt. Ich glaube, Herr M. ist von dieser Option gar nicht so angetan, er wirkt eher erleichtert, als der Arzt mitteilt, dass es nur ein solches Zimmer gibt und dieses dann ggf. schon besetzt sein kann.

Nachdem dann vor der ganzen Truppe sämtliche individuelle Probleme gewälzt werden ("Sollen wir Nabelschnurblut einlagern lassen, Schatz?"[Anm.: das wird euch der Arzt auch nach 10 Minuten Diskussion nicht beantworten können!]- "Was passiert, wenn der Mann die Nabelschnur durchschneiden soll und dann umkippt?"[Anm.: wissen wir doch, er wird ignoriert!]- "Wenn ich in der Wanne entbinden will, mich dann aber da drin umentscheide und doch auf den Sessel will, aber dann einen Geburtsstillstand habe und dann..."[ Anm.: da bin ich ausgestiegen, ich gehen davon aus, dass niemand in der Geburtswanne gefesselt wird und ansonsten müsste ich mich bei der Aneinanderreihung der ganzen fiktiven Fällen erst einmal wieder in die Wahrscheinlichkeitsrechnung einlesen].

Ach Leute, mal ernsthaft: ich habe jegliches Verständnis auch für kuriose Fragen, bin ja selber in der Situation, dass ich bald ein Kind entbinden werde und da kommt man schon auf komische Gedanken. Aber ganz ehrlich, was soll denn groß passieren, wenn dein Mann beim Nabelschnurschneiden umkippt? Denkst du, die Hebamme und der Arzt rennen schreiend weg und die Nabelschnur wird nie gekappt? Und für die ganzen individuellen Fragen, die sicherlich jede(r) hat, wäre der Einzelberatungtermin die bessere Option - bitte nicht alles ewig vor 70 Leuten durchhecheln!

Ich bin also leicht genervt (ich dachte, die Schwangerschaftshormone wirken entspannend??), aber auch Herr M.- ansonsten die Ruhe in Person- verdreht die Augen. Nach einer knappen Stunde begeben wir uns endlich zur Kreißsaalbesichtigung. Yoah, was soll ich dazu sagen, wirkt ganz nett- wenn ich hier wehend liege, ist mir das Design aber vermutlich denkbar egal! Ansonsten ist von Badewanne bis Gebärseil  alles vorhanden und Herr M. ist glücklich über die Kaffeemaschine, die im Kreißsaalgang steht.

Irgendwie bin ich nach der ganzen Veranstaltung nicht wirklich schlauer, aber ich weiß ja auch nicht, was ich erwartet habe. Als wir abends um halb 10 endlich daheim sind, gibt es erstmal Nervennahrung- ungesunde Pommes! Aber immerhin aus dem Backofen.

Am nächsten Tag geht es mit unserer Spießigkeit steil bergauf: wir holen unser neues Auto ab, natürlich einen Kombi. Da wir bislang beide schnuckelige, sportliche 2Sitzer gefahren sind, ist nun ein großes Auto zwingend nötig- wo sollen wir denn sonst die Yetin hinstecken? Leider passt diese Ausgabe dank Hausbau im letzten Jahr eigentlich so gar nicht in unsere Budgetplanung und auch die Yetin selber hat sich vorgeburtlich schon zu einer kleinen Geldfreßmaschine entwickelt- aber was Muss das Muss.
Dass bei Herrn M.s Auto, welches wir in Zahlung geben, 4 Tage vor dem Verkauf die Lichtmaschine kaputt ging und dies infolgedessen auch noch die Batterie geschrottet hat, lass ich lieber unerwähnt...

Jedenfalls aber bin ich positiv überrascht, wie gut unser neues Auto doch fährt, es beschleunigt sehr schnell und auch mit dem Einparken gibt es (bislang) keine Probleme- hiervor hatte ich ein bißchen Angst, habe ich mich im Geiste doch in einem LKW-großen Fahrzeug mit riesigem Wendekreis gesehen...aber wenigstens ist jetzt schon einmal ein wichtiger Teil für Yetins Ankunft erledigt, fehlt nur noch die komplette Babyausstattung!

Abends widmen wir uns dann ganz unserer noch ungeborenen Tochter.  Nachdem ich vor einiger Zeit (natürlich wieder in einer Schwangerschafts-App) gelesen habe, dass man nun schon über die Bauchdecke die Herztöne hören kann, muss Herr M. sein Ohr anlegen. Er hört- nichts. Bis auf mein Darmgrummeln, aber das höre ja selbst ich. Uns fällt ein, dass ich ja noch mein altes Stethoskop habe und -oh Wunder- es ist sofort auffindbar.

Also neuer Versuch: Herr M. schnallt sich sich das Ding um und beginnt wieder zu suchen. Zentimeterweise von oben nach unten und wieder zurück. Ich gähne. Nach einer gefühlten Stunde, ich bin kurz vorm Einschlafen, dann sein Ausruf: "ich habe sie, ich habe sie!".
Nun möchte ich aber auch hören und stopfe mir die Oliven ins Ohr. Mein Gott, sind diese Dinger unbequem. Ich lausche gespannt und höre erstmal- nichts. Außer wieder meinem Darm in Verstärkung, das klingt schon leicht gefährlich. Millimeterweise verrutsche ich die Membran und ganz, ganz leise höre ich sie nun auch: wie kleines Hufgetrappel, tadamm, tadamm, tadamm.

Selig grinsend liegen wir da- das erste Mal haben wir die Herztöne von unserer Tochter gehört!

Nicht ganz so schön war der ungeplante Besuch im Krankenhaus 2 Tage später. Dafür bin ich dann nachts, wie in 90% der Fälle, gegen halb 4 aufgewacht. Im Halbschlaf will ich auf die Toilette tigern und bemerke irritiert, dass ich ausnahmsweise gar nicht muss. Wieso bin ich dann aufgewacht? Da merke ich es wieder: die Yetin tritt so wild um sich, dass sie mich damit tatsächlich geweckt hat! Wahnsinn, welche Kraft steckt in so einem 400g leichten Wurm? Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll oder eher Angst habe, wenn sie schwerer wird und die Tritte stärker.

In diesem Moment ist es aber einfach schön (hmm, wahrscheinlich ist die Arme von der Untersuchungsodysee ganz irritiert) und nach ca. einer Viertelstunde Kickboxen schlafe ich auch wieder glückselig ein.

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