Sonntag, 1. Februar 2015

{Ein paar Gedanken zu..} Angst vorm Mama werden

Meine Freundin hat am Freitag entbunden. Als ich in der Früh aufwachte, hatte ich eine kryptische SMS auf dem Handy: "Sie ist da. Wir sind wieder daheim.". Ich erfuhr dann, dass es wohl eine regelrechte Traumgeburt war- 0 Uhr ins Geburtshaus, um 3 kam die Kleine zur Welt (und das bei einer ebenfalls Erstgebärenden! Btw, ich finde dieses Wort ganz schlimm, aber es beschreibt bzw. suggeriert einfach alles, was mit dem ersten Kinderkriegen zusammenhängt in eben nur einem Wort und ich habe bislang keinen Ersatz dafür entdecken können!). Um halb 8 war die ganze Familie wieder daheim. 
Ich freute mich wahnsinnig und gleichzeitig machte sich ein Gedanke in mir breit: "Oh Gott, ging das schnell!!!". Na gut, der denkende Mensch fragt sich nun: "Schnell? Du hattest über 9 Monate Zeit, dich darauf vorzubereiten!". Tja, mir wurde in dieser Situation irgendwie erst so richtig bewusst, dass das kleine Wesen, welches man monatelang in sich trägt, auf das man sich unbändig freut und dessen Geburt man kaum Abwarten kann, dann "plötzlich" von einem Moment auf den anderen da ist. Und da bleibt. Und auf einmal kriege ich Angst vor dem "Danach".


Mir war natürlich von Anfang an klar, dass sich vieles komplett ändern wird, doch bislang habe ich bei dem Gedanken daran nur reine, pure Freude verspürt. Nun gesellt sich ein leichter Panikanflug hinzu. Und zwar sehr egoistische Gedankengänge: Was wird aus Herrn M. und mir als Paar? Wir werden nicht mehr zu zweit sein wie die letzten 7 Jahre, wir werden nicht mehr zweimal jährlich das Flugzeug besteigen und wochenlang irgendwo in der Weltgeschichte rumgondeln. Wir werden auch nicht mehr schnell mal spontan zum Essen gehen oder sonstiges.
Ja, ich wusste das alles- nun wird es mir aber richtig bewusst! Unser Alltag muss komplett neu durchgeplant und organisiert werden- das beginnt beim Einkaufen  -da kann ich nicht mehr "mal schnell" los, weil ich wieder den Reis vergessen habe- und endet bei den persönlichen Hobbies: sich noch eine Stunde lang lesend im Bett fläzen ist dann nicht mehr.

Ich mache mir plötzlich Sorgen, wie sich der Alltag entwickeln wird: wie werde ich -ein bekennender Morgenmuffel und Schlafjunkie- auf den konstanten Schlafmangel reagieren? Schon jetzt machen mich die schwangerschaftsbedingten Schlafstörungen zunehmend mürbe. Was passiert, wenn ich krank bin und Herr M. zur Arbeit muss? Ich muss mich dann ja trotzdem um die Yetin kümmern! Werden Herr M. und ich noch Zeit füreinander als Paar haben? Wir können die Kleine nicht mal schnell für einen Abend zu Omi und Opi oder zur Patentante geben, da diese Leute alle 200 km entfernt wohnen- wir sind hier sozusagen auf uns allein gestellt.
Werde ich, werden wir das alles schaffen? Und ich meine nicht nur "irgendwie schaffen", sondern damit auch (zumind. im Großen und Ganzen) glücklich und zufrieden zu sein - oder werde ich zum dauergenervten, chronisch unzufriedenen Muttertier mutieren und Herrn M. damit dann in den Wahnsinn und unsere Beziehung ins Aus treiben?

Dieser sieht das im Übrigen ganz locker- aber er ist ja immer tiefenentspannt (leichter Neid).

Diese Gedanken sind nun höchst egoistisch, betreffen sie ja nur mich und Herrn M.! Dazu gesellen sich sicherlich noch beizeiten die Ängste um die Yetin selbst und ob wir ihr gerecht werden können, wie wir uns "richtig" verhalten, wenn sie schreit, nicht trinken/essen/schlafen will, Trotzanfälle bekommt, wie wir sie generell "richtig" erziehen etc. etc.

Ich weiß nicht, warum mir plötzlich angesichts des Lebens zu Dritt leicht flau wird. Sind das die Hormone? Oder liegt es daran, dass die Geburt bei meiner Freundin so schnell ging? Als Paar kurz ins Geburtshaus, Kind ausspucken, einpacken und als Familie wieder nach Hause- dort komplett auf sich alleine gestellt, ohne Hebammen, Krankenschwestern oder sonstige unterstützende Hilfe. Da ist nichts mit sanfter Eingewöhnungsphase ins Elternsein!

Nun ist es nicht so, dass ich mich nicht mehr auf die Yetin freuen würde- ganz im Gegenteil! Ich fiebere nach wie vor ihrer Geburt entgegen, habe aber plötzlich das Gefühl, noch ganz viel machen zu müssen, was dann erstmal (für die nächsten Jahre!) nicht mehr möglich sein wird. Und ob ich es schaffe, das "neue" Leben auch als erfüllend zu empfinden. Bin ich jetzt schon vorgeburtlich eine Rabenmutter?



Eine Bekannte hat mir ca. ein Jahr nach der Entbindung folgendes erzählt: sie war ständig so kaputt und saß nur noch heulend auf dem Sofa, weil ihre Kleine so oft geschrien hat und ihr alles zu viel wurde. Sie hat um ihr altes Leben geweint, wollte einfach mal wieder ohne Verantwortung und Planung in den Tag rein leben und spontan weggehen. Und trotzdem sei die Mutterliebe, die sie empfindet so massiv und überwältigend, dass dies alles wieder aufwiegt.
Ein Bericht, der Angst und Mut zugleich macht.

Ich hoffe, in die Mutterrolle reinzuwachsen, ohne mich selbst oder Herrn M. als "Duo-uns" komplett zu verlieren- und der Yetin trotzdem immer gerecht zu werden. Die Liebe ist jetzt schon da, das ist hoffentlich eine gute Voraussetzung.

Hattet ihr auch solche Gedanken/Ängste? Oder sind diese Empfindungen einfach nur egoistisch? (Wenn ja, mache ich einfach die Hormone dafür verantwortlich!)

Kommentare:

  1. Ich kann ja nur von mir sprechen, aber diese Ängste und Gedanken sind meiner Meinung nach wirklich völlig normal und begleiten jede erstmals-Bald-Mama in der Schwangerschaft. Und so sehr man auch weiß, dass sich alles ändern wird mit der Geburt des eigenen Kindes - die wirklichen Ausmaße kann man sich nicht vorstellen. Aber ebenso wenig die Tatsache, dass sich alles findet und einspielt, und das nicht nur "irgendwie".

    Wollen wir mal ehrlich sein: die ersten Monate mit einem Neugeborenen sind nicht gerade die leichteste Zeit in einer Beziehung zwischen Mann und Frau. Wirklich nicht. Aber mit viel Kommunikation geht auch Verständnis einher. Es ist eben eine Ausnahmesituation. Ich könnte mir allerdings keine schönere vorstellen.

    Es ist vielleicht abgedroschen, aber egal wie schwer es zeitweise vielleicht wird: ES WIRD BESSER! Und ich weiß es, meine Tochter war in den ersten drei Monaten wirklich ein Schreikind. Mir hat es geholfen, dass ich mir habe helfen lassen: "Einfach" immer mal wieder für ein-zwei Stunden jemanden das Kind betreuen lassen (ja, auch schon nach ein paar Wochen) und eine Runde in Ruhe einkaufen gehen oder einen Kaffee trinken oder einfach nur schlafen. Pause vom Kind und vom Muttersein holen. Das hat nichts mit Rabenmutter-Sein zu tun (das Wort sollten wir Mamis sowieso mal komplett aus unserem Vokabular streichen). Von einem Laufanfänger erwartet man ja auch nicht gleich, dass er einen Marathon nach dem anderen durchläuft.


    Liebste Grüße von
    Fräulein Sonnenschein

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  2. Liebe Manati,
    ich kann dich sehr gut verstehen. Auch ich hatte solche Gedanken in der Schwangerschaft und, nein, du bist keine "Rabenmutter", wenn du sowas denkst! Du und Herr M., ihr beide schafft das schon :-)) Nur Mut, lasst es einfach auf euch zukommen. Es ist eh immer anders als man denkt. Ich habe mir das Muttersein zum Beispiel viel "schlimmer" vorgestellt. Die ersten Wochen waren etwas stressig, dann hat sich aber unser neues Leben zu dritt sehr gut "eingependelt".
    Wichtig ist, trotz Kind, auch selbst was für sich oder als Paar zu tun. Wenn es schläft, nicht nur eine Hausarbeit nach der anderen erledigen, sondern selbst auch mal mit ausruhen, was lesen, sich ein Bad gönnen etc. Kleine Auszeiten sind auch prima, zB einmal in der Woche in den Sport oder so. Vielleicht kann Herr M. in der Zeit auf Yetin aufpassen.
    Keine Angst, es wird auf jeden Fall superschön mit Kind :-))
    Übrigens habe ich auch deine Fragen beantwortet. Schau mal hier: https://mamamajsan.wordpress.com/2015/02/02/kreativ-sein-und-abtauchen-in-die-badewanne/
    LG Mama Majsan

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  3. Oh nein, ich finde solche Gedanken auf keinen Fall egoistisch :) ! Klar, man hat 9 Monate um sich gedanklich auf das Mutter-Sein vorzubereiten, aber wie es dann wirklich ist, kann man erst wissen, wenn es dann wirklich so weit ist :) Da verändert sich wirklich das ganze Leben von dem einen auf den anderen Moment, klar macht man sich dann solche Gedanken :) Mir ging es ganz ähnlich, je näher der Entbindungstermin rückte, desto realer hat sich das alles angefühlt, und da macht man sich natürlich über sehr Vieles Gedanken :) Das darf man auch :) Ich denke es hilft da ganz offen und ehrlich darüber zu reden und seine Sorgen auch mit dem Partner zu teilen :)

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  4. Ha, du sprichst mir aus der Seele! Ich hatte ungefähr gestern denselben Moment - als sich nämlich vermutlich das Kleine zum ersten Mal gespürt habe (http://www.er-ist-schwanger.de/erste-kindsbewegungen-waren-zu-spueren-383/). Ich habe wirklich versucht, das zu ignorieren oder zu verdrängen, aber heute ist es wieder passiert. Und da ist mir mit einem Mal klar geworden, was da alles auf mich zukommt und wie schnell das Kleine wächst.
    Wie bei dir ist er zu diesem Thema tiefenentspannt und absolut sicher, dass alles super wird. Ich bin mir da nicht so sicher und fange jetzt schon an, unser "Lotterleben" zu vermissen bzw. aktiver zu genießen. Ich glaube, das ist auch das einzige, was uns bleibt: jetzt noch so viel wie möglich davon genießen! Und danach dreht sich sowieso alles um unsere Würmchen und wir werden sicher glückslich damit sein...

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  5. Ihr Lieben!
    Vielen Dank für Eure netten Worte. Es tut so gut zu hören, dass es auch auch so ging/geht. Heute gehts mir auch schon wieder besser und ich bin wieder zuversichtlicher. Aber es wird tatsächlich ein komplett anderes Leben sein und ich danke Euch für Eure Tipps bzgl. des "danach" ;-)
    GLG, Eure Manati

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  6. Liebe Manati!
    Der Post ist ja schon etwas älter, aber trotzdem:
    Ja, die ersten Wochen und Monate können wahnsinnig anstrengend sein. Zum Glück schüttet unser Körper gerade dann Hormone aus, die uns da ein bisschen helfen.

    Sich Hilfe holen (zB ein Freundin - und wenn sie "nur" zum Tratschen kommt und nicht auf's Kind aufpasst) und auch untertags mal schlafen, wenn die Yetin schläft hilft schon viel!
    Und übrigens: Raben sind wunderbare Eltern, die sica rührend um ihren Nachwuchs kümmern - man könnte es also fast als Kompliment betrachten, als Rabenmama bezeichnet zu werden ;)

    Alles Liebe, Andrea

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