Montag, 16. März 2015

Schwangerschaftsbeschwerden #2: Magen-Darm-Probleme (1)

Gerade in der Schwangerschaft haben laut Studien über 90% der Frauen zumindest gelegentlich mit diesen Beschwerden zu kämpfen- Spitzenreiter sind die Übelkeit, gefolgt von Sodbrennen und Verstopfung (Obstipation).
Hiergegen werden wieder- wie bereits in Teil 1 bei der Erkältung- rezeptfreie Medikamente vorgestellt, die man bedenkenlos anwenden kann, sowie alternative Methoden und Allgemeinmaßnahmen, welche man zuerst immer ausprobieren sollte, bevor man zu den "richtigen" Arzneistoffen greift. Wenn nicht explizit angegeben, gilt auch hier für die Dosierdauer: so kurz und niedrig dosiert wie möglich.


Übelkeit und Erbrechen
Gerade im ersten Trimenon ist durch die hormonelle Umstellung fast jede Schwangere zeitweise davon geplagt. Ein Arzt ist immer dann aufzusuchen, wenn es sich um starkes Erbrechen oder eine richtige Hyperemesis gravidarum handelt. Diese ist definiert als ein Erbrechen, das öfters als fünfmal pro Tag stattfindet, wobei sich das Gewicht der Schwangeren um mehr als 5 Prozent verringert und die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme erschwert ist. Bis zu 3% sind davon betroffen.

Vom Institut für Embryonaltoxikologie wird zu Doxylamin als Wirkstoff gegen Übelkeit und Erbrechen geraten, da es eines der am besten getesten Mittel ist. Die Krux: dieses ist in Deutschland- aus Kostengründen- lediglich für die Behandlung von Schlafstörungen zugelassen (z.B. Hoggar®), wobei es aber auch einen durchaus antiemetischen Effekt hat. In z.B. Kanada hat es deshalb auch eine Zulassung als Arzneimittel gegen Schwangerschaftsübelkeit- wenn man es hier in Deutschland kauft, könnte einen möglicherweise die Packungsbeilage abschrecken.

Als Alternative wird Dimenhydrinat (z.B. Vomex®) empfohlen, welches als Saft, Tabletten oder Zäpfchen verfügbar ist. Lediglich im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte die Einnahme vorsichtshalber unterbleiben, da es möglicherweise wehenfördernd wirken kann. Häufigste Nebenwirkung ist Schläfrigkeit.

Auf pflanzlicher Basis bietet sich z.B. Iberogast® an. Hier wird zwar in der Packungsbeilage die Einnahme auch nur nach "Rücksprache mit einem Arzt" empfohlen, doch handelt es sich hierbei wieder nur um die formelle rechtliche Absicherung und es kann problemlos angewandt werden. Als Hinweis: es sind auch hier geringe Alkoholmengen enthalten, die zwar in der Tagesdosierung wieder nur dem Alkoholgehalt eines großen Glases an z.B. Apfelsaft entsprechen- trotzdem muss das jede Schwangere für sich entscheiden.

Das B-Vitamin Pyridoxin (Nausema®) ist ebenfalls eine sanfte Alternative, wirkt aber meist erst zufriedenstellend nach längerer Einnahme. Dieses ist auch explizit dafür ausgelegt und sollte gerade bei längerfristigen Beschwerden als Dauerbehandlung über einige Wochen eingenommen werden.

Allgemeine Massnahmen und alternative Sachen

Ingwer wird v.a. in der Frühschwangerschaft gerne eingesetzt. Hierfür kann man z.B. an einem Stückchen frischer Wurzel kauen, sich einen Tee zubereiten oder ein Fertigpräparat (Zintona®) einnehmen. Hierbei gibt es wieder eine interessante Zulassungssache: in Deutschland ist im Beipackzettel wieder der typische Hinweis "...vorsichtshalber nicht anwenden" vermerkt, während das identische Präparat in Österreich eine explizite Zulassung für Schwangerschaftsübelkeit bis zur 16. Woche hat. Im Normdosisbereich ist es unbedenklich, in sehr hohen Dosen steht es im Verdacht, evtl. das Blut zu verdünnen und so möglicherweise Blutungen auslösen zu können (alles sehr hypothetisch!).

Tees mit Anis-Fenchel(-Kümmel) oder Kamille wirken magenberuhigend, Pfefferminztee ist bis zu 2 Tassen täglich auch in Ordnung, wobei dieser wiederum Sodbrennen auslösen kann.

Eine weitere Möglichkeit ist das Tragen von Akupressurarmbändern, sog. sea bands. Diese kann man bspw. in der Apotheke kaufen, sie werden um die Handgelenke gelegt und üben Druck auf einen bestimmten Akupunktur-/Akupressurpunkt aus, was laut der Traditionellen Chinesischen Medizin gegen Übelkeit helfen soll.

Die Aufnahme von mehreren kleinen Mahlzeiten hat sich bewährt, für Zwischendurch empfehlen sich als Snacks Butterkekse oder Zwieback, Mandeln oder Bananen. Diese Sachen sollen angeblich den Magen beruhigen. Generell sollte eher fettarm gegessen werden, nicht zu scharf oder stark gewürzt und gerade Süßigkeiten oder kohlensäurehaltige Getränke sollten minimiert werden.
Wenn die Übelkeit vorwiegend am Morgen ausgeprägt ist, kann es helfen, vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit zu essen (z.B. ein Stück Zwieback oder einen Keks).

Homöopathisch kann man zu bestimmten Globuli greifen, z.B. Magen-Globuli® von Wala oder als Klassiker Nux vomica in D6 oder D12.

Sodbrennen
Ein sehr häufiges Problem- bereits zu Anfang der Schwangerschaft kann es dazu kommen, weil durch die hormonelle Wirkung der untere Ösophagussphinkter (der Verschluß zwischen Magen und Speiseröhre) relaxiert wird und nicht mehr so gut schließt. Als Folge kann die Magensäure aufsteigen. Vermehrt tritt diese Problematik dann im letzten Drittel auf, wenn durch Größe und Gewicht des Babys die Organe alle nach oben gedrückt werden und so wiederum der Reflux der Magensäure begünstigt wird. Dadurch kommt es zu saurem Aufstoßen, Brennen und evtl. auch einem unangenehmen Druckgefühl in der Speiseröhre.

Mittel der Wahl ist Gaviscon® (als Kautabletten oder Flüssigkeit erhältlich). Dieses besteht aus einem sog. Alginat, einem Wirkstoff der nicht resorbiert wird und deshalb auch nicht schädlich sein kann. Er schwimmt sozusagen auf dem Magenbrei und verhindert, dass davon etwas zurückfließen kann. Als weitere Inhaltsstoffe sind mineralische Salze (Calcium und Natrium in Form von Carbonaten) enthalten, die zusätzlich die Magensäure neutralisieren.
Auch diese sind nicht schädlich für das Baby, lediglich wenn bei der Schwangeren Herz- oder Nierenprobleme bestehen, sollten die Tabletten nicht zu häufig eingenommen werden (Na erhöhrt den Blutdruck, Ca kann bei bestehender Nierenschwäche zu Nierensteinen führen); bei einer Gesunden sind sie unbedenklich. Wichtig ist, dass ein Abstand von 2 Stunden zu anderen Medikamenten eingehalten werden sollte.

Ein weiteres Medikament ist Rennie®, auch hier sind wieder die oben erwähnten Salze enthalten, aber kein Alginat. Es wirkt deshalb etwas schwächer.

Viele weitere Mittel gegen Sodbrennen (Antacida) enthalten Aluminiumverbindungen, diese sollten in der Schwangerschaft nur sehr kurzfristig angewendet werden; im Gegensatz dazu können die beiden genannten bei Bedarf auch häufiger gegeben werden.

Wenn das Sodbrennen damit nicht genug in den Griff zu bekommen ist, sollte auf alle Fälle ein Arzt aufgesucht werden, der dann stärkere Medikamente verordnet, welche die Säureproduktion stoppen. Lässt man Sodbrennen über lange Zeit unbehandelt, kann es zu bleibenden Schleimhautschäden und Geschwürbildung in der Speiseröhre kommen.

Allgemeine Massnahmen und alternative Sachen

Man sollte weder zu scharf, noch zu heiß, noch zu fett essen. Süßigkeiten und säurebildende Nahrungsmittel (z.B. Fleisch) sollten reduziert werden und die Mengen sollten insgesamt kleiner ausfallen, dafür darf dann häufiger gegessen werden. Kaffee und kohlensäurehaltige Getränke am besten ebenfalls reduzieren. Nicht direkt nach dem Essen hinlegen, sondern mind. eine Stunde warten.

Um den Rückfluss zu minimieren, nachts am besten mit dem Oberkörper leicht erhöht liegen.

Angeblich sollen Haferflocken, Mandeln (gut gekaut), eine Löffelchen Kondensmilch, etwas Senf oder ein paar Schlucke Milch gegen das Sodbrennen helfen.

Man kann auch Heilerde (gibt es z.B. von Luvos als Pulver oder Kapseln) zu sich nehmen. Bullrichs Salz oder reines Natron wird zwar häufig empfohlen, aber sie wirken bei schlechterer Verträglichkeit wesentlich schwächer als die o.g. Mittel.

Da dieses Thema so riesig ist, habe ich es nun doch aufgeteilt- im 2. Teil der Magen-Darm-Probleme werden dann Blähungen, Verstopfung und Durchfall abgehandelt.

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