Dienstag, 9. Juni 2015

Wochenbett 2- immer noch in der Klinik


Wie schon hier beschrieben, ging jeder Tag im selben Trott voran, ich wusste bald nicht mehr, welches Datum wir haben und wie lange wir schon da waren. Lilly hat sich nach Leibeskräften bemüht, sie hat von Anfang an super von der Brust getrunken mit gutem Zug und gutem Andocken- nur eben (rechnerisch) zu wenig. Ihre Trinkmenge steigerte sich, doch auch die angeblich benötigte stieg im gleichen Zug, so dass sie immer max. 2/3 schaffte. Und wenn es mal eine richtig gute Mahlzeit gab, war sie bei der nächsten so fertig, dass da kaum noch etwas ging.
Was mich selbst betraf, hatte ich auch noch einige unschöne Erlebnisse in dieser Klinik (im übrigen das selbe Krankenhaus, wo ich wegen der Hyperemesis war und wo ich keinesfalls hin wollte).
Wie gesagt, ich war ja nicht als Patientin aufgenommen, hatte aber einen frischen Kaiserschnitt, der kontrolliert werden sollte. Meine Hebamme rief mich an und meinte, ich solle das vom Hebammenteam in der Klinik kontrollieren lassen, diese seien verpflichtet, sich auch um die Frühchen-Mamas zu kümmern, die lediglich als Begleitpersonen dabei seien. Ich solle dies lediglich bei den Kinderkrankenschwestern melden und die würden dies an die betreffende Station weiterleiten.
Gesagt, getan. Doch die Aussage der Krankenschwester: sie kümmern sich da nicht drum, wenn ich das will muss ich selbst in den Kreißsaal und das veranlassen. Gut, also 2 Stockwerke nach unten gelaufen. Dort hieß es dann: Mein Anliegen wird aufgenommen und eine Hebi wird am nächsten Tag bei mir vorbei schauen. Das ist dann auch irgendwann passiert, doch war diese Frau so unfreundlich und hat mir erstmal 5 Minuten lang einen Vortrag gehalten, dass sie das nur aus Kulanz mache und eigentlich müsse das meine Hebi machen (diese hat sich richtig aufgeregt als ich ihr das erzählt habe, denn sie hatte schon mehrfach genau diese Situation wo dann explizit vereinbart wurde, dass die Nachsorge die Klinikhebis machen, solange die Mutter im Krankenhaus ist; diese können das auch selbstverständlich normal abrechnen.).

Die Leistung der Frau bestand dann darin, dass sie erst auf mein Drängen hin die Narbe angeschaut hatte und für meine Probleme beim Milcheinschuss (das Übliche: schmerzende Brüste, empfindliche Warzen und ich selbst hatte erhöhte Temperatur und fühlte mich etwas krank) erhielt ich EINE Multi-Mam-Kompresse und den Tipp, dass das schon wieder vergeht.
Wochenflussbinden konnte sie mir keine geben (ich war ja schließlich nicht auf der Frauenstation!) und auch ein wasserdichtes Duschpflaster für die Narbe war nicht drin. Herr M. hat mir dann schließlich beides extern besorgt, da ich nicht den Nerv hatte, mich in dieser Situation noch mit der guten Dame rumzuärgern. Zum Glück hatte ich keine echten Probleme, da eine adäquate Versorgung ja scheinbar unmöglich war.

Was aber wesentlich ärgerlicher war, ereignete sich einige Tage später: ich hatte über Nacht plötzlich starke Unterleibs- und Narbenschmerzen bekommen. Also wieder in den Kreißsaal und nach einer Hebi gebeten. Dieses Mal kam eine andere und zwar wirklich sehr nette, die sich alles angesehen hat, meine Gebärmutter abtastete (dazu ließ sich die andere Dame nicht herab) sich von selbst nach meinem und Lillys Befinden erkundigt hat, sich (von alleine!) meine (mittlerweile wunden) Brüste ansah und wirklich lange mit mir redete, mir auch Tipps für Wochenbettgymnastik, Rückbildung etc. gab. Was die Narbe selbst betraf, wollte sie, dass ein Arzt draufschaute und veranlasste dies auch sogleich- ohne ihre Initiative wäre dies wohl nicht möglich gewesen.

Dazu musste ich mich zunächst in der Ambulanz vorstellen, um als ambulante Patientin aufgenommen zu werden und nach Durchlaufen von verschiedenen Stationen (Organisation???) landete ich letztendlich wieder in der Ambulanz, wo sich ein Arzt meiner "annahm". Das Gespräch war in etwa folgendes: "Ach, Sie kommen aus dem Krankenhaus x...aha."
Dann kurze Sono, alles in Ordnung. Meine Frage, woher denn die Schmerzen kommen "Das weiß ich nicht, die werden schon wieder weg gehen". Na gut. Die Narbe wollte sich der Arzt gar nicht mehr ansehen, denn schließlich wurde die ja im verfeindeten KH gemacht und ich hatte (noch immer!) das alte Pflaster drauf. Sein O-Ton war sogar: "Wenn das im KH x gemacht wurde, behandeln wir das hier nicht weiter."
Hallo??? Ich war hier legitim als Patientin aufgenommen und ich hatte Probleme mit der Narbe. Gehts noch? Mein Pflaster war total versifft und ich wollte verdammt nochmal, dass dieser arrogante Schnösel da nun einen Blick drauf wirft.
Sein Kommentar: "Dann ziehen Sie sich das Pflaster halt selbst runter!". Ich war wirklich perplex angesichts dieser Situation, hab mir wütend das Pflaster selbst runtergerissen und der lapidare Kommentar war "hmm, ich glaube das sieht gut aus...". Schön. Ich blieb liegen. Er: "Sie können gehen.". Ich: "Und ein neues Pflaster???"- "Hmm, ich glaube wir haben keine SteriStrips da. Außerdem habe ich jetzt keine Zeit, ich muss dringend zu einer Besprechung."
Ich war wirklich fassungslos und bestand darauf, dass er mir wenigstens ein Pflaster gab, das ich mir meinetwegen selber draufgepappt hätte. Wenn ich denn unbedingt eines brauche, solle ich hoch auf die Frauenstation und mich dort von einer Schwester verbinden lassen.

Ich habe geschäumt vor Wut, das ist doch echt der Gipfel! Nur weil ich in ihrem Konkurrenzkrankenhaus entbunden habe, werde ich -obwohl ich nun als Patientin aufgenommen war und sie alles abrechnen konnten- wie ein Mensch 2. Klasse behandelt. Und das in einer Situation, wo aufgrund der Sache mit Lilly die Nerven eh schon blank liegen.

Ich bat Herrn M. noch am selben Abend, mir beim nächsten Besuch meinen Laptop mitzubringen, damit ich einen Beschwerdebrief schreiben konnte.

Die starken Schmerzen ließen innerhalb eines Tages zum Glück wirklich nach, doch ganz unproblematisch ist die Narbe bis heute nicht. Vielleicht hatte ich sie zu früh zu stark belastet. Meine Nachsorgehebi meinte letztes Mal, dass ich wohl ein Hämatom an der Narbe hätte...

Gänzlich unproblematisch gestaltete sich dann allerdings das Fädenziehen: nachdem ich immer noch in der Klinik war, musste dies auch dort gemacht werden- allerdings hätte ich den Ärzten dort zugetraut, dass sie mich tatsächlich rausschicken, um das irgendwo extern machen zu lassen. Dem war aber nicht so, nach dem üblichen Prozdere mit ambulanter Aufnahme etc. und 2 Stunden (!) warten (ich war die einzige Patientin!) wurden mir von einer netten Ärztin innerhalb von einer halben Minute die Fäden entfernt. Wenigstens dies hat reibungslos geklappt und ich konnte mich wieder ausschließlich Lilly widmen.Und ganz ehrlich: in dieser Situation ist das mehr als genug, da brauche ich wirklich nicht noch selbst Gesundheitsproblemchen bzw. so ein Verhalten seitens der Ärzte!

Kommentare:

  1. Krasse Geschichte...echt unglaublich dass sich sowas Krankenhaus schimpft!

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    1. Ja, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, ich würde so etwas kaum glauben...leider sind das die Tatsachen :/

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  2. Liebe Manati,
    ach Mensch, das tut mir alles wahnsinnig leid und ich finde es ganz schrecklich, wie alles gelaufen ist. Die Aussagen und das Verhalten der Ärzte ist ja wirklich das Allerletzte. Ich sage ja auch immer: und das in so einer heiklen Situation, wo man eigentlich umsorgt und betüttelt werden sollte. Wo man gar keine Kraft und Nerven hat, sich um sich selbst zu kümmern. Da hilft eigentlich nur ein starker Partner, der die Fäden in die Hand nimmt. Das hat leider damals bei mir gefehlt, da mein Mann selber komplett überfordert mit der Situation war. Und wenn dann noch das Baby schwierig ist...
    Hast Du Dich noch nachträglich beschwert?
    Ich wünsche Dir, dass die Narbe gut heilt und Du jetzt Ruhe und Hilfe für die Kleine und Dich hast.
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Frühlingskindermama,
      genau, das Schlimme ist eben die ganze Situation an sich. So ein Verhalten ist zwar generell unverschämt, aber gerade wenn man komplett überlastet und voller Sorge ums Kind ist und dann noch auf so einen Deppen trifft...das braucht man nicht. Aber zum Glück ist das alles vorbei und Herr M. unterstützt mich wo es nur geht.
      LG

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  3. Ach Du Sch.... ��
    Das ist ja eine krasse Story.
    Das ist ja wie im schlechten Film... ��
    Und das in so einer Situation... Ich glaube, ich hätte nur geheult. Man fühlt sich dem Ganzen ja so hilflos ausgeliefert. ��
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass jetzt alles gut ist, ihr euch von den Strapazen erholt habt und Deine Narbe besser verheilt.
    Du bist wirklich sehr tapfer! <3

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    1. Liebe Düse,
      ja, "schlechter Film" trifft es ziemlich genau. Mit etwas Abstand betrachtet könnte man es auch als (Horro)Komödie deklarieren...ich meine, der Arzt steht vor mir, ich liege da und muss mich selbst verarzten während er zusieht...eigentlich ist das fast schon zum Lachen.
      LG

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