Sonntag, 24. Januar 2016

Was ich bislang als Mama gelernt habe

Ein Post, den ich verfasst habe, als Lilly etwa 3 Monate war- und wo ich die Veröffentlichung komplett vergessen habe!
Deshalb habe ich ihn stellenweise upgedatet und reiche ihn nun nach:

1) Mit Baby ist nichts planbar
Eigentlich wusste ich das ja schon vorher, trotzdem kann man sich das nie so vorstellen, wie es tatsächlich ist. Gerade in den ersten Monaten gab es GAR keinen Rhythmus und fixe Termine mit Baby (also z.B. Arzt) waren mir ein Graus, denn meist hatte sie dann Hunger, wenn wir eigentlich los mussten o.ä. Auch das frühzeitige Anfangen, damit man ja rechtzeitig kommt ist auch nicht immer verlässlich, denn meine Milchmaus aus dem Schlaf zu wecken, damit sie trinkt kann ich getrost vergessen- das funktioniert nicht. Die Dame hat genau dann Hunger, wann sie eben Hunger hat und nicht wenn sie schlafen will.
Mittlerweile wird das zwar etwas besser, aber eine gewisse Flexibilität bei Terminen ist von Vorteil!

2) Es gibt gute und schlechte Tage
An sich auch eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem war mir das nicht so bewusst, ich hatte tatsächlich irgendwie im Hinterkopf dass - wenn es z.B. einen Tag mit dem Trinken super läuft- dies dann auch so bleibt. Tut es nicht und nur weil etwas einen Tag gut funktioniert hat, kann es am nächsten schon wieder ganz schlecht sein- und eben auch andersrum! Vermutlich heißt das ganze deshalb ENTwicklung, ein fortlaufender, unendlicher Prozess mit guten und schlechten Phasen.

3) Nicht für jedes "Problem" gibt es eine Lösung
Für mich als alten Kontrolljunkie, der das Problem analysiert, die Ursache aufspürt und Lösungsmöglichkeiten findet gaaanz schwierig, dies zu aktzeptieren. Denn oftmals weiß man einfach nicht genau, was los ist, wenn das Baby schreit und manchmal weinen die Kleinen auch einfach, weil sie schlecht drauf sind. Da kann ich noch so viel analysieren- den genauen Grund und die optimale Lösung werde ich nie finden. Da hilft dann nur einfach da zu sein und versuchen, die Maus zu beruhigen. Was meist klappt, aber auch nicht immer. Aber Hauptsache sie ist dann nicht alleine und spürt meine Nähe.
Und ich oute mich: ich liebe ja wissenschaftliches Arbeiten und als Lilly wieder Trinkprobleme hatte, führte ich tatsächlich ein Trinktagebuch. Man mag es für verrückt halten (ja, das ist es auch), aber mir half es ungemein, mich darauf einstellen zu können, wann sie wieder Hunger hat oder wie die Nacht voraussichtlich wird. Und es gab mir auch Sicherheit wegen der Trinkmengen (auch hier- Krankenhausschaden!). Also doch der Versuch, ein bisschen Kontrolle zu behalten...ich habe dieses Tagebuch schreiben erst abgestellt, als Lilly fast ein halbes Jahr alt war!

4) Die Sache mit dem Perfektionismus
Ich bin leicht perfektionistisch veranlangt und möchte immer alles optimal machen. Hier habe ich sehr schnell festgestellt: das geht nicht. Es gibt nun Prioritäten: erst kommt die Maus, dann kommt Schlaf, dann Essen. Haushalt, Kochen, Putzen etc. sind Nebensache und werden nur erledigt, wenn es gerade mal zufällig geht. Ich bin damit nicht zufrieden (sag ich ja, perfektionistisch), aber es macht keinen Sinn mich damit selbst noch mehr reinzustressen, also akzeptiere ich es notgedrungen und hoffe auf bessere Zeiten. Und auch mit dem Baby selbst geht es nicht "perfekt"-nie. Das liegt in der Natur der Sache, hier heißt es dann eher "so gut wie möglich".
Hierzu zählen gerade auch die alltäglichen Probleme, wie wir sie bspw. mit dem Stillen hatten und meine großen inneren Konflikte zwischen dem scheinbar leichtem Weg (Flasche) und dem vermeintlich richtigen (Stillen). Und hier muss ich wirklich an mir selbst arbeiten und mich nicht selber noch mehr unter Druck zu setzen. Der Weg ist das Ziel und das ist -in diesem Beispiel- immer das gleiche: das Baby wird satt, so oder so.


5) Zum Thema Geduld -und Reizbarkeit
Eigentlich bin ich von Haus aus ein sehr ungeduldiger Mensch. Ich will alles sofort und mit dem Warten hab ichs nicht. Und ich wundere mich selbst, welche Engelsgeduld ich mit dem kleinen Menschlein aufbringen kann- und es macht mir nichts aus! Aber andererseits gibt es tatsächlich irgendwann eine Schwelle, wo ich mich dann beherrschen musste, dass ich die Kleine nicht anschreie. Gerade in ihrer Brüllphase, irgendwann hätte ich sie am liebsten angeschien, dass sie doch endlich schlafen solle und musste mich in dem Moment wirklich stark kontrollieren, dies nicht zu tun. Im Nachhinein bin ich dann selbst über mich erschrocken, aber ich kann mittlerweile nachvollziehen, wenn gerade Eltern von Schreibabys irgendwann die Nerven durchbrennen (trotzdem schließe ich hier die Tat der Kindesmißhandlung aus!). [Update: bei ihrer zweiten Schreiphase- kurz vor meinem Nervenzusammenbruch- habe ich sie auch einmal angebrüllt- und war danach fix und fertig].

6) Nicht nur das Kind zählt
Klingt einerseits trivial, andererseits werden sich hier einige Mamis bestimmt an den Kopf langen: "Wie, das Kind ist das Wichtigste und alles andere muss hinten anstehen!". Tja, das stimmt zu einem gewissen Teil, das Kleine kann sich nicht selbst versorgen und ist auf Rundum-Betreuung angewiesen. Aber dank meines Zusammenbruches weiß ich mittlerweile, dass es ebenso wichtig ist, auch auf mich zu achten. Das ist nicht immer einfach und manchmal schier unmöglich- aber es ist wichtig! Seitdem ich dies verstärkt praktiziere, sind wir in einem sog. "Engelskreis" angekommen: ich springe nicht bei jedem kleinen Wutschrei sofort los (wohlgemerkt: ich meine hier das Nörgelheulen!), bin da insgesamt nun viel relaxter und Lilly seltsamerweise auch. Sie beschäftigt sich mittlerweile viel alleine (seitdem ich einmal einen Trotzanfall ca. 2 Minuten lang ignoriert habe, statt sofort hinzuhechten und sie zu beruhigen), hat dabei aber super Laune und ist viel ausgeglichener. Und ich habe nicht immer sofort ein schlechtes Gewissen, sitze dann daneben oder werkle rum und komme so zu mehr als nur Baby und unsere gemeinsame Interaktion ist wesentlich entspannter.

Dies sind die Punkte, die mir nun spontan eingefallen sind. Hat euch euer Kind auch etwas "beigebracht"?

Kommentare:

  1. Oh ja, das sind sehr gute und wichtige Punkte und bis auf den letzten (berechtigten) Punkt, mit dem ich bis heute Schwierigkeiten habe, habe ich auch alles erst als Mama gelernt. Das kann man sich alles vorher nicht vorstellen. Wahnsinn, dass Du das nach 3 Monaten schon so analysieren konntest. Da war ich noch im Ausnahmezustand. Habe viel länger zum Reflektieren gebraucht...
    Liebe Grüße!

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  2. Es ist doch aber auch schön, das mit einem Baby nicht alles planbar ist. Und auch nicht war, d.h. man kann heute zwar Wissen ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, die Entscheidung trifft aber zum Glück noch die Natur selbst

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