Dienstag, 2. August 2016

(K)ein Kuschelbaby

Ob diese Information überhaupt einen eigenen Post wert ist? Für mich: definitv ja! Wie ich schon mehrfach berichtet habe, war Lilly noch nie ein Kuschelbaby. Wenn sie auf den Arm wollte (sehr häufig!), dann nur um bestimmte Dinge besser zu sehen und um an sie heran zu kommen. Trösten, streicheln, schmusen- Fehlanzeige. Eher wird dann meine Hand wütend weg geschubst. Die einzig kuschelähnlichen Situationen finden im Zuge des Fremdelns statt- tauchen andere Leute auf, legt Lilly schnell ihren Kopf an mir ab und schmiegt sich an mich (für ein paar Sekunden).
Und ich gestehe: ich vermisse Kuschelmomente durchaus und beneide andere Mamis regelrecht darum. Letztens ist aber tatsächlich ein kleines großes Wunder passiert.
Generell wurde Lilly in den letzten Wochen tasgüber etwas ruhiger. Zwar ist sie nach wie vor in Daueraction, doch legt sie sich seit einiger Zeit selbst für kurze Momente mal hin, sei es auf eine Decke am Boden oder sie krabbelt in unser Wasserbett und breitet sich darin aus. Wir reden hier zwar nur von Sekunden, aber allein das freiwillige Hinlegen kommt für uns einer Sensation nahe.

Auch wurde die in letzter Zeit etwas anschmiegsamer. Wo sie früher Körperkontakt teilweise eher abgewehrt hat und das einzig Fordernde das "auf-den-Arm-wollen" war (vermutlich nicht aus körperlichen Nähebedrüfnis, sondern aus Neugier, um Sachen besser zu überblicken), kommt sie die letzten Tage verstärkt an und schmiegt sich an meine Beine oder legt ihren Kopf an meine Brust. So schön, so faszinierend. Ich wusste nicht, wie viel Kraft solche kleinen Momente geben können.

Lilly war zwar auch schon vorher sehr auf Nähe fixiert, aber in einer anstrengenden Weise, denn es hieß hier kein/möglichst wenig Körperkontakt (außer eben dem Arm), aber da sein. So wurde und werde ich aufs Klo verfolgt oder sie begann zeitweise sogar zu weinen, wenn ich in ein anderes Zimmer ging. Die Trage, welche uns eine zeitlang gute Dienste geleistet hat, musste ausquartiert werden, als Lilly mobiler wurde. Zu eng, zu viel Nähe- es wurde irgendwann zum Gegenteil von Beruhigung, sondern war ein sicherer Schreigarant.

Ja, uns vor zwei Tagen eben besagtes Wunder. Herr M. war mal wieder den ganzen Tag in der Arbeit und hatte nachts Notdienst. Das heißt für mich, dass ich Lilly abends ins Bett bringen muss. Wie ich hier schon erwähnt habe, geht sie aber seit ca 1,5 Monaten nur noch mit Herrn M. ins Bett und fordert dies regelrecht ein, beim letzten Notdienst hatte ich dann wieder ein Dauergebrüll- mich hat es also schon gegraust vor dem Abend.

Lilly war schon den ganzen Tag ungewöhnlich anhänglich, kam immer wieder zu mir um einige Sekunden zu kuscheln und dann schnell weiterzuflitzen. Abends saß ich dann noch mit ihr am Boden und habe gespielt, als Herr M. anrief. Während des Telefonats kam Lilly dann angetigert, hat sich auf meinen Schoß gesetzt und ihren Kopf an meine Brust gelegt. Und saß bestimmt eine Minute ganz ruhig da. Das erste Wunder.
Und das zweite geschah wenige Minuten später: Lilly ist während meines Telefonats sang-und klanglos einfach so an mich gekuschelt eingeschlafen. Kein Weinen, kein Winden, nichts.
Ich konnte es nicht glauben. So etwas ist noch nie passiert, wenn Lilly früher mal auf dem Arm eingeschlafen ist nur mit Weinen und unter Tragen und Wippen zur Beruhigung, in den letzten Monaten hat sie sich vom Arm runtergewunden, wenn wir versucht haben, sie so zum Schlafen zu bringen.

Es ist so, so, so schön, endlich einmal mit meinem Baby kuscheln zu können und dass dies von der kleinen Maus eingefordert wird. Und sei es immer nur für ein paar Sekunden, aber das gibt so viel Kraft und Energie.
Dieses Einschlaferlebnis bleibt vermutlich auch für die nächste Zeit eine Einmaligkeit, aber für uns war es wirklich ein Wunder.
Und auch jetzt kommt Lilly immer mal wieder an, um sich ein paar kleine Flauscheinheiten abzuholen. Ihr Eltern da draußen, die ihr lauter Kuschelbabys habt: ich kann nun auch endlich nachempfinden, welche Glücksgefühle das freisetzt. Haltet diese Momente alle gut fest!


Kommentare:

  1. Hach, ich kann Dich so gut verstehen!! Ich hatte ja mit meinem ersten Kind auch kein Kuschelbaby und habe die Welt nicht mehr verstanden. Es war genau wie bei euch, ständig auf den Arm, aber nicht kuscheln, nicht berühren, nicht streicheln etc. Das hat so gefehlt! Ganz ganz langsam, in minikleinen Schritten, veränderte sich das über die Jahre. Er lässt jetzt vieles zu (mit 5), aber man merkt immer noch, dass inniger Körperkontakt kein Bedürfnis von ihm ist. Ich wünsche euch noch viele kleine Kuschel-Momente! Du hast Recht, das gibt soviel Kraft!
    Liebe Grüße.

    AntwortenLöschen
  2. Oooohhhh ja, wie bei meinem Sohn. Er wollte nie kuscheln und ich war immer so traurig darüber. Jetzt ist er 3 Jahre alt und kommt immer öfter zum Kuscheln. Seine kleine Schwester ist da ganz anders. Sie ist knapp 11 Monate alt und kuschelt für Ihr Leben gern. Jedes Kind ist anders. Aber zum Glück ändern Sie sich auch im Laufe der Zeit.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über einen Kommentar von Euch!