Donnerstag, 29. Dezember 2016

Meine Verfehlungen als Mutter


Das Jahresende ist doch mal eine ganz gute Zeit für eine kleine Beichte. Bevor Lilly auf der Welt war -und auch noch, als sie kleiner war- gab es viele Dinge, die ich (nicht) machen wollte oder aber die mir als so selbstverständlich erschienen, dass ich nie darüber nachgedacht habe, sie (nicht) zu machen. Die Realität sieht aber mittlerweile anders aus:

1. Lilly bekommt Süßigkeiten
Es war immer ganz klar, dass Lilly so lange wie möglich keinen zugesetzten Zucker bekommt, schon gar nicht Süßes in Reinform. Auch als die Eßprobleme schon da waren und eine andere Mami mir Pudding empfohlen hat, habe ich dies kategorisch abgelehnt. Erst als dann die damalige Diagnose vom Kinderarzt kam, hielten Pudding, Fruchtzwerge o.ä. Einzug. Und was soll ich sagen? Sie mag beides nicht besonders. Vor einigen Wochen hat sie sich selbstständig ein kleines Stück Schoki stibitzt, seitdem frage ich sie manchmal, ob sie eine möchte. Meist hat sie dann ein kleines Stückchen gegessen. Deshalb gab es dieses Jahr bereits einen Schoko-Adventskalender. Sie liebte es, die Türchen zu öffnen. Aber seitdem sie jeden Tag ein Stückchen haben dürfte, mag sie es meistens gar nicht essen oder beißt maximal eine Mikromenge davon ab. In dieser Menge finde ich Süßes ok und von daher sind Süßigkeiten kein no-go mehr.

2. Lilly schaut fern
Na gut, so ganz stimmt das nicht. Es ist eher so, dass sie mittlerweile vor dem Fernseher rumturnt. Wie es dazu kam? Unser Wohnbereich ist -wegen des Kamins- durch ein Kindergitter vom restlichen Eßbereich abgetrennt und Lilly durfte da nie hinein. Da aber verbotene Orte besonders magisch sind, hat sie sich einfach durchgeschlichen, als ich einmal das Gitter nicht richtig verschlossen hatte. Seitdem darf sie auch in diesen Bereich. Und sie liebt es, hier auf dem Sofa rumzuturnen oder sich in die Nische beim Kamin zu setzen. Die Bedingung: es muss irgendwas im Fernsehen laufen, dass sie allerdings nicht die Bohne interessiert und null Beachtung findet. Hauptsache, die Kiste ist an, bekommt dann einen Blick und wird sofort irgnoriert- nur die Beschallung muss sein. Aber egal, während Lilly nämlich hier ist, kann ich auf dem Sofa sitzen. SITZEN!!!! Klar, sie fordert nach kurzer Zeit Bespaßung, aber ich SITZE dabei. Nun läuft bei uns also tgl. für etwa eine halbe Stunde der TV. Für uns beide eine Win-win-Situation.

3. Ich bin manchmal zu faul, um konsequent zu sein
Nun ist es raus. Ich, die Perfektionistin. Die früher Angst hatte, in der Kindererziehung etwas falsch zu machen. Wo doch gerade Konsequenz das A&O ist. Aber manchmal bin ich einfach zu müde und möchte für 2 Minuten meine Ruhe haben. Ich versuche dann, es möglichst geschickt zu verpacken. Das sieht dann folgendermaßen aus: Lilly möchte etwas haben oder tun und ich habe bereits "nein" gesagt (gleich mehr dazu). Dann folgt natürlich Protestgeheule. Logisch, dass ich da nicht einfach den Rückzug antreten kann, ich muss ja konsequent bleiben, wenn ich schon was verbiete. Also bleibt es beim Nein und ich lenke sie ab, bis sie sich beruhigt hat. Fällt ihr aber nach 20 oder 30 Minuten besagtes Ding/Situation wieder ein und sie möchte es wieder haben/tun- lasse ich sie manchmal. Ich schlage gerade selber innerlich die Hände über meinem Kopf zusammen. Aber das ist die Realität. Und wenn wir gerade dabei sind:

4. Lilly darf sehr viel
Hier kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und ich habe den Eindruck, dass es zwei Lager gibt. Die einen sagen, man erzieht sich so einen totalen Egoisten, die anderen halten es für eine kind- und bedürfnisorientierte Erziehung. Ich teile letztere Meinung. Und bevor hier jemand die Krise kriegt: es gibt Grenzen. Solche, die sich natürlich ergeben, so z.B. gefährliche Situationen oder wenn sie jemanden weh tun würde. Und einige wenige individuelle, sie darf z.B. nicht an meine Brille oder mein Handy. Letzteres erst, seitdem sie mein altes Handy geschrottet hat. Im Großen und Ganzen ist sie aber ziemlich frei in ihrem Tun und wir finden das gut so. Das führt auch zum nächsten Punkt:

5. Lilly geht spät ins Bett
Zugegebenermaßen etwas, mit dem ich nicht allzu glücklich bin. Madame schläft i.d.R. erst zwischen 22 und 22:30h ein, davor gibt es das Abendritual. Heißt im Klartext: Herr M. und ich haben so gut wie keine Zeit zu zweit.
Es hat sich irgendwann rauskristallisiert, dass sie erst so spät ins Bett mag; wenn wir es früher probieren, dauert das Einschlafen eben 1,5 Stunden aufwärts statt "nur" 30-60 Minuten. Und ja, wir haben auch probiert sie dann in der Früh eher zu wecken. Fakt ist, dass sie einfach nicht so viel Schlaf braucht und wir uns entscheiden müssen, ob sie später geht und dafür dann in der Früh etwas länger schläft oder ob sie um halb 5 aufsteht. Ich habe das Gefühl, das spätere entspricht ihrem natürlichen Rhythmus und in der Früh bin ich selbst froh um jede Minute Schlaf. Mehr Schlafbedarf herbei zaubern kann ich ja leider nicht. Auch wenn ich das manchmal innerlich zum kotzen finde. Damit haben wir auch gleich die passende Überleitung:

6. Ich fluche. Vor meinem Kind.
Ein Klassiker ist das Autofahren. Und auch im Alltag achte ich nicht so sehr auf eine kindgerechte Wortwahl. Eins von Lillys ersten Wörten nach Mama und Papa war demzufolge auch "ssseiße!". Finde ich persönlich nicht weiter schlimm, aber im Kindergarten werde ich die Mama sein, die deshalb von allen anderen gehasst wird. Nun ja, immerhin müssen wir uns nicht ärgern, dass unser Kind die "bösen" Wörter nach Hause trägt.
Sie kennt sie ja schon.

7. Ich trinke Alkohol
Scheinbar ist dies ein abolute no-go unter Müttern, und es dann auch noch öffentlich zuzugeben, scheint einen bei vielen Müttern gleich zur Rabenmama und Alkoholikerin zu degradieren. Aber auch wenn ich mir selbst eingestehen muss, dass Alkohol keine gute Entspannungsmethode ist und ich in der letzten Zeit aber aus demselbigen Grund doch ein bißchen zu viel konsumiert habe (was sich definitiv wieder ändert): ich mag Rotwein einfach und auch einem Glas Prosecco bin ich nur selten abgeneigt. Puh. Ende der Beichte.

8. Manchmal gehen mir die Nerven durch  
Darauf bin ich wahrlich nicht stolz und es kommt zum Glück sehr, sehr selten vor. Ich denke, in über 90% der Fälle bin ich geduldig, in weiteren 5% bin ich zwar schon endentnervt, kann meine Wut oder Ungeduld aber noch anderweitig ablassen und beim Rest gehen dann wirklich die Pferde mit mir durch. Das sind dann Situationen, wo Lilly grundlos nur am meckern und nörgeln ist und obendrauf noch absichtlich Sachen macht, die sie nicht soll (und wie gesagt, das sind wenige). Da ist es schon mal vorgekommen, dass ich sie anschreie, sie solle nun endlich die Klappe halten und mit dem Genöle aufhören. Enden tut so eine Situation dann so, dass Lilly auf meinen Schoß klettert, sich an mich schmiegt und "Mama! Mama!" jammert und wir beide dann ganz erschöpft da sitzen. Ich erkläre ihr dann, dass ich sie lieb habe, aber momentan wütend bin und mich erst beruhigen muss. Sie scheint es auch zu verstehen, hört mit dem Gemeckere auf und beschäftigt sich einige Zeit selbstständig, nachdem wir geflauscht und gekuschelt haben. Trotzdem ist das Anschreien natürlich keine Lösung und mir tut es im Nachhinein selbst zutiefst leid. Aber trotz allem ist das die ungeschönte Wahrheit. 
9. Eigentlich bin ich eine Anti-Mutter
Abgesehen von den letzten Punkten finden sich hierfür noch einige weiterer Gründe: So finde ich nicht alle Kinder süß, nur weil sie Kinder sind. Manche finde ich sogar überaus nervig und mit anderen liege ich -wie es ja auch bei Erwachsenen vorkommt- einfach nicht auf einer Wellenlänge.
Ich mag auch nur die wenigsten Kinderlieder, mich langweilen Kinderspiele recht schnell und als ich einmal eine Mutter-Kind-Gruppe besucht habe, war das einfach nur eine schreckliche Erfahrung.
Wenn ich backe, dann nichts gesundes oder vollwertiges, sondern es gibt dann echten Kuchen mit echtem Zucker und meist auch Schokolade. (Zu meiner Verteidigung sei aber erwähnt, dass ich 2x versucht habe, gesunde Brötchen zu backen- Lilly hat auch diese verschmäht). Ich lese auch lieber Psychothriller als Erziehungsratgeber und wahrscheinlich gibt es noch 100 andere Gründe.

Ja, das sind die Dinge, die mir spontan einfallen. Aber wisst ihr was? Es fühlt sich wirklich gut an, in manchen Dingen eben nicht alles "perfekt" zu machen- einfach weil das gar nicht geht. Und ich glaube nicht, dass Lilly später einen Schaden davonträgt, nur weil sie schon unter 2 Jahren manchmal etwas Süßes naschen darf, den Fernseher kennt oder ich nicht dauernd pädagogisch wertvoll bin. Das Loslassen von diesen für mich überzogenen Vorstellungen ist einen immense innere Erleichterung und vereinfacht auch den Alltag ungemein. Rückblickend hatte ich früher wohl teilweise richtig Angst, etwas "Falsches" zu machen und mein Kind damit nachhaltig zu schädigen. Aber was das wichtigste ist: auch wenn ich sicher nicht alles perfekt mache, so liebe ich Lilly doch über alles und bringe im Alltag sehr viel mehr Kraft, Geduld und Verständnis auf, als ich mit meinem ungeduldigem Wesen jemals zu hoffen gewagt hätte. Und ich habe auch das Gefühl, dass ich mittlerweile ein sehr gutes Gespür für sie entwickelt habe, was sie in welcher Situation braucht oder möchte und das war nicht immer so einfach. Und so halte ich mich trotz aller rabenmutterähnlichen Verhaltensweisen doch für eine gute Mutter =)

Und bei Euch? Gibt es da auch "Verfehlungen"?

Kommentare:

  1. Liebe Manati, ich empfinde das alles ehrlich gesagt weder als Verfehlungen noch als sonderlich dramatisch. Es ist menschlich und normal und an keinem einzigen Punkt kann ich da etwas Schlimmes erkennen. Wir Mütter haben uns doch alle unsere Gedanken gemacht zu dem, wie wir sein wollen und was wir tun wollen, wenn das Kind erstmal da ist. Und ich würde mal behaupten, dass jede von uns mindestens drei Punkte auf dieser Liste hat, bei der sie "gescheitert" ist. Einfach weil es Vorsätze sind, die man macht, ohne zu wissen wie es ist, wenn man wirklich ein Kind hat. Da sind die "nach außen hin Übermuttis" natürlich verführerisch, bei denen geht es ja auch. Aber auch mit Süßigkeiten und Fernsehen und ab und an einfach mal machen lassen entwickeln sich unsere Kinder prima. Ich glaube, es kommt alles auf das Maß an und auf Lockerheit und auf gutes Beispiel und Herz.

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch,
    Jessi

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  2. Ich glaube man macht sich da verrückt, natürlich will man alles richtig und möglichst perfekt machen ABER wir sind eben Menschen! Ich wünsche dir auch einen guten Rutsch

    Pia

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  3. Liebe Manati,
    ich sehe in keinem deiner Punkte ein Versagen.
    Ich trinke Wein (ab und an ein Glas und das, obwohl ich stille), ich fluche, schreie und bin inkonsequent. Mein Großer isst Süßigkeiten und darf Fernsehen-auch mal 1-2 Stunden. Und ich habe NIE versucht gesunde Kuchen zu backen.
    Du bist eine ganz normale Mutter! Du meisterst dein Leben richtig toll und bist eine tolle Mutter!

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  4. Also für mich klingt das auch sehr naCh unserem normalen Alltag. Keiner muss - und kann - perfekt sein. Mütter auch nicht. Denn Mutter-sein ist für viele (nicht alle sicher, aber für mich auch) einfach ein knallharter Job. Von daher finde ich es sehr gut, dass Du dies inzwischen alles etwas lockerer sehen kannst. Euch alles Gute!

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  5. Huhu Manati,

    mach dir nicht so einen Kopf. So lange sie wohlbehütet aufwächst und alles bekommt, was sie zum Leben benötigt, ist doch alles in Ordnung.

    Meist sind solche Eltern dann auch die "cooleren" Eltern, aber das wirst du erst in ein paar Jahren erfahren.

    Liebe Grüße
    Susanne

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  6. Hallo Manati,
    ich finde es schön, dass du auch diese Seite des Mutter-Seins ansprichst. Manchmal hat man das Gefühl alles falsch zu machen, oder einfach das Gefühl, dass andere es besser machen. Im Endeeffekt versucht aber jede Mutter nur das beste für ihre Kinder zu machen und dabei kann man auch nicht immer perfekt sein. Menschlickkeit ist auch in der Erziehung wichtig.
    Ich freue mich, dass du den Mut hast, so persönliche Dinge mit uns allen teilst. Vielen Dank!
    Liebe Grüße, Antje

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  7. Es ist natürlich immer gut, wenn man sich über sowas Gedanken macht, jedoch sollte man sich selbst nicht zu sehr einschränken. Wir sind alle nur Menschen und solange wir nicht irgendwelche Dinge extrem ausüben, ist alles im Rahmen. Man soll ja schließlich nicht sein Leben komplett umordnen. Also macht dir bitte nicht allzu viele Gedanken darüber :)

    Liebe Grüße, die Jadzia!

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  8. Hallo liebe Manati, jetzt gabs ja schon so lange nichts mehr hier - wie geht es dir/euch denn? Bzw findet man euch evtl auf einem anderen Kanal z.b. Instagram?
    Lass doch mal von dir hören! Liebe Grüße

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    1. Vielen Dank für deine Nachfrage! Uns geht es soweit gut,wir haben nur gerade wieder eine schlimme Phase der Trotzphase 😉
      Ich wollte ursprünglich wieder mehr bloggen, aber Fakt ist, dass ich pro Tag max.1 Std Zeit für mich habe (Lilly geht nicht in die Kita) und da schlicht und ergreifend keine Lust habe, irgendwas zu lesen, schreiben oder hören, was sich um Kinder dreht🙈
      Ich bin auf Insta (manati81) und Twitter (manatiswelt), aber auch hier recht inaktiv.
      Mal sehen, wie es hiermit weiter geht😑
      Gehts euch gut? Liebe Grüße zurück

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    2. Vielen Dank für deine Nachfrage! Uns geht es soweit gut,wir haben nur gerade wieder eine schlimme Phase der Trotzphase 😉
      Ich wollte ursprünglich wieder mehr bloggen, aber Fakt ist, dass ich pro Tag max.1 Std Zeit für mich habe (Lilly geht nicht in die Kita) und da schlicht und ergreifend keine Lust habe, irgendwas zu lesen, schreiben oder hören, was sich um Kinder dreht🙈
      Ich bin auf Insta (manati81) und Twitter (manatiswelt), aber auch hier recht inaktiv.
      Mal sehen, wie es hiermit weiter geht😑
      Gehts euch gut? Liebe Grüße zurück

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